Fall 4:

Ulli K., 14 Jahre - höchstbegabter, völlig "normaler" Supersportler

 

Ulli ist 14 Jahre alt und geht in die 9. Klasse einer privaten Schule an seinem Wohnort in der Schweiz. Er ist ein guter Fußballspieler, hat viele Freunde und ist in die Klassengemeinschaft integriert. Er liebt Ferienlager mit hunderten von Kindern, liest wenig, schaut viel fern, lacht gern und findet Schule mal gut, mal schlecht. Seine Sprache ist völlig unauffällig und weist als einzige Besonderheit einen leichten Dialekt auf. In den Merkmallisten für Hochbegabte haben Ullis Eltern ihren Sohn nicht wiedererkannt. Ulli kommt zu mir in die Beratung, weil seinem Fußballtrainer etwas aufgefallen ist: Ulli kann jede sportliche Anweisung oder körperliche Korrektur seines Trainers sofort in die richtige Bewegung umsetzen. Neue Sportarten lernt er in Windeseile. Ihn zu trainieren ist für jeden Sportexperten ein Genuss. Sein Trainer hatte in den vergangenen 30 Jahren nur zwei ähnlich begabte Jungen in seiner Mannschaft. Beide waren auch intellektuell hochbegabt. Er macht Ullis Eltern daher auf seine Beobachtung aufmerksam und rät ihnen zu einer Beratung, weil er meint, Uli solle über sein Potential informiert sein, um nicht nur seine sportlichen Chancen nutzen zu können.

 

Die Eltern nutzen einen meiner Arbeitsaufenthalte in der Schweiz für einen Termin mit mir. Im Gespräch erklärt mir Ulli, dass er so ein guter Sportler sei, weil er einzelne körperliche Bewegungen mit bestimmten wunderschönen Klängen verbinde und unterschiedliche 11-Meter-Ausführungen wiederum in verschiedenen Farben sehen könne. Das erleichtere ihm die Orientierung in nahezu jeder Sportart.

Ich erzähle Ulli, dass ich in meiner Beratungspraxis schon öfter mit hochbegabten Kindern zu tun hatte, die verschiedenen Buchstaben oder Zahlen bestimmte Farben zuordnen oder die beim Klang eines Musikinstruments Farben vor Augen haben. Dass jemand Farben und Klänge mit einzelnen Bewegungen in Verbindung bringt, höre ich von Ulli allerdings das erste Mal. Wir sprechen darüber, dass man diese Form der verbundenen Wahrnehmung „Synästhesie“ nennt und dass diese bei Künstlern, Hochbegabten, Autisten und Savants offenbar häufiger vorkommt als bei „normalen“ Menschen. Ulli ist neugierig geworden und möchte sich testen lassen. Ich empfehle seinen Eltern ein Testinstitut in Wohnortnähe in der Schweiz. In einem anerkannten Intelligenztest erreicht Ulli wenige Wochen später einen IQ von 152. Er ist somit höchstbegabt. Ohne den Hinweis seines Trainers wäre das wohl nicht festgestellt worden. Ulli teilt mir das Ergebnis telefonisch mit und meint dabei lachend: „Da sage nochmal jemand, Fußballspieler seien alle blöd!“

Für mich als Beraterin geht Ulli als das normalste hochbegabte Kind, das ich kenne, in die Geschichte meiner kleinen Praxis ein. Sein Ergebnis führt jede Merkmalliste ad absurdum.

Eulenhaus für Hochbegabte

Praxis für EMBRAIN®-Coaching

 

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