Selbstcoaching

An dieser Stelle veröffentliche ich von Zeit zu Zeit Fälle, in denen ich mich mich EMBRAIN, wingwave oder anderen Methoden selbst gecoached habe.

 

 

Catrin Lange, damals 48 Jahre - Selbst-Coaching

 

Dieser Fall ist mir Ende 2010 selbst passiert. Er zeigt auf, wie man sich mit bilateraler Hemisphären-Stimulation, den eigenen Händen und ohne weitere Hilfsmittel aus problematischen Situationen heraushelfen kann.

 

Der Tag beginnt wie jeder andere. Mein Mann und mein Sohn machen sich auf den Weg zur Arbeit bzw. zur Schule, während ich mit unserem Hund zum Spaziergang aufbreche.

 

Auf dem Rückweg klingelt mein Handy. Es ist mein Mann, der mir mit veränderter Stimme erzählt, dass es am Gymnasium unseres Sohnes offenbar einen Amokalarm gibt. Er selbst hat das eben von Kollegen erfahren, als er im Büro angekommen ist. Unseren Sohn hat er auf dem Handy nicht erreichen können.

Ich bin inzwischen zuhause angekommen. Unser Sohn ist nicht da. Mein Herzschlag dominiert jegliche Wahrnehmung. Ich höre die Sätze meines Mannes kaum noch. Zu oft habe ich mich in den letzten Jahren im Rahmen meiner Arbeit für den Verein „KISCHUNO – Kinder in Schulnot“ mit dem Thema Amokläufe fachlich auseinandersetzen müssen.

 

Mein Mann kann mich nicht beruhigen. Ich muss etwas tun. Ich bitte meine Nachbarin, über das Internet alle verfügbaren Informationen und Bilder einzuholen, damit ich einen Überblick über die Lage bekomme. Zeitgleich versuche ich selbst, unseren Sohn an sein Handy zu bekommen. Vergeblich. Schließlich rufe ich meine Klienten an und sage alle Termine für heute ab. Als ich wieder aufgelegt habe, klingelt mein Handy erneut. Mario, mein bester Freund und der Mensch, mit dem ich im Eulenhaus zusammenarbeite, wenn es um verletzte oder traumatisierte Kinder geht, hat von der Amokmeldung gehört und tastet sich vorsichtig fragend an mich heran. Nein, ich weiß nicht, wo unser Sohn jetzt gerade ist. Mario macht mir nichts vor, sondern erzählt mir, dass ihm Patienten von einer Schießerei im Schulgebäude erzählt haben. Das könne Quatsch sein, aber auch stimmen. Er bietet mir an, alles stehen und liegen zu lassen und mit mir zur Schule zu fahren. Mir geht durch den Kopf, wie ernst die Situation sein muss, wenn er seinen Praxisbetrieb für mich im Stich lassen will. Wieder Handyklingeln. Meine Nachbarin war im Internet und berichtet von einem Aufgebot von Polizeifahrzeugen und Krankenwagen, die vor der Schule stehen. Die Straßen dort hin seien weiträumig abgesperrt. Wie jetzt da hinkommen? Die werden auch Mario nicht durchlassen.

 

Im selben Moment nehme ich wahr, dass unser Hund wedelnd zur Tür gelaufen ist. Jetzt fängt er aufgeregt und freudig an zu bellen. Unser Sohn steht mit dem Fahrrad vor dem Eingang – gesund und unverletzt. „Es war nur ein Fehlalarm. Niemandem ist etwas passiert.“

 

Ich kann ihn nur kurz drücken, dann die Telefonkette rückwärts ablaufen lassen, meinen Mann, die Nachbarin und die Arztpraxis anrufen, Entwarnung geben. Nur meine Klienten-Absagen mache ich nicht rückgängig. Es ist klar, dass ich heute nicht mehr arbeiten kann. „Sollen wir meinen Augenarzt-Termin heute Mittag beibehalten?“ fragt mich mein Sohn, nachdem er mir ausführlich Einzelheiten berichtet hat. Wir haben so lange auf diesen Termin gewartet, dass wir beschließen, ihn wahrzunehmen.

Mittags im Wartezimmer komme ich erstmalig zur Ruhe. Hier erfahre ich, dass einige Lehrer sich auf dem Schulhof und im Gebäude vorbildlich verhalten haben, um die Schüler in der völlig unklaren Situation zu schützen. „Wie schön“, denke ich, denn ich bin zu dieser Zeit eigentlich nicht gut auf diese Schule zu sprechen. Aber wenn es darauf ankommt, scheint es doch genug gute Lehrer zu geben.

 

Mein Sohn wird aufgerufen und ich bleibe allein im Wartezimmer zurück. Erschöpft sinke ich auf dem Stuhl zusammen. Minuten später sehe ich plötzlich Blitze vor den Augen und kann kein Bild mehr festhalten. Alles verschwimmt und mir wird übel. „Ein klassischer Migräne-Anfall“, denke ich sofort. 20 Jahre ist es her, dass ich so etwas das letzte Mal hatte, nur kann ich mich nicht erinnern, dass die Symptome je so schnell gekommen wären wie heute. Mir ist klar, dass die Angst des Vormittags und die Entspannungssituation hier im Wartezimmer die Auslöser sein müssen.

 

„Da gibt es wohl kein Zurück mehr“, denke ich noch, als mein Sohn wiederkommt. Schnell kläre ich mit ihm, dass wir mein Auto stehen lassen und ein Taxi für die Rückfahrt bestellen müssen. Ich weiß, dass ein Migräneanfall im Stadium von Sehstörungen und Übelkeit vermutlich nicht mehr aufzuhalten ist und ich so auf keinen Fall Auto fahren kann. „Butterfly“ – dieses Wort fällt mir ein, als ich nach meinem Handy suche. Dabei handelt es sich um eine Technik, die ich im Rahmen der wingwave-und EMDR-Ausbildung gelernt habe und die eine stark beruhigende Wirkung hat. Warum nicht ausprobieren, ob das klappt? Ich setzte mich aufrecht hin, schließe die Augen, um die verschwommenen und blitzenden Bilder nicht mehr sehen zu müssen – und schlage mir mit überkreuzten Armen abwechselnd rechts und links mit den Händen flach auf den Schulterbereich. „Es ist Angst“, sage ich vor mich her. Nach 5 Minuten öffne ich die Augen vorsichtig. Das Blitzen hat aufgehört, aber das Sonnenlicht schmerzt noch sehr. Ich mache weiter. Als ich die Augen wieder öffne, kann ich das Bild gut festhalten. Das Sonnenlicht stört nicht mehr. 10 Minuten später – ich klopfe weiter - ist der Anfall vorbei. Sicherheitshalber trinken wir im Café gegenüber noch einen Milchkaffee. Unter den erstaunten Blicken der anderen Gäste schlage ich mir selbst noch einige Minuten lang mit überkreuzten Armen auf die Schultern, aber dann ist klar, dass ich nach Hause fahren kann. Der Anfall hat sich erledigt. Es geht mir gut.

 

Eulenhaus für Hochbegabte

Praxis für EMBRAIN®-Coaching

 

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