Hochbegabte Schüler

Paul, 8 Jahre

ADHS-Symptome / Geburtstrauma / Scheidung der Eltern

 

 

Paul L., 8 Jahre alt, besucht die 3. Klasse einer Grundschule. Sowohl in der Schule als auch in meiner Beratungspraxis zeigt Paul Symptome, die vom Kinderarzt mit der Diagnose „ADHS“ bedacht wurden. Paul kann seine Beine auf dem Stuhl nicht stillhalten, springt von Zeit zu Zeit auf und läuft ziellos im Raum herum. Paul greift sich Stifte, die am Flip-Chart liegen, öffnet und schließt sie im Wechsel, malt sich die Handinnenflächen damit an. Es fällt ihm schwer, sich längere Zeit auf das Gespräch mit mir zu konzentrieren. Pauls Klassenlehrerin hat im letzten Elterngespräch angedeutet, dass sie Paul aufgrund seines störenden Verhaltens und seiner Unkonzentriertheit keine Gymnasialempfehlung geben möchte, obgleich sie ihn für hochbegabt hält. Paul selbst gibt an, morgens vor der Schule unter Bauchschmerzen zu leiden.

 

Ich lasse Paul einen speziellen Fragebogen ausfüllen, den ich für hochbegabte Kinder mit ADHS-Symptomatik erarbeitet habe. Paul zeigt bei der Bearbeitung mehrerer Fragen, dass er dem Entwicklungsstand Gleichaltriger in kognitiver Hinsicht weit voraus ist.

Auch Pauls Eltern erhalten einen Fragebogen. Aus ihren Antworten ergibt sich, dass Pauls Mutter ihren Sohn nach der Geburt über mehrere Wochen nicht annehmen konnte. Paul ist unter sehr dramatischen und für Mutter und Kind lebensbedrohenden Umständen (HELLP-Syndrom) per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Seine Mutter war während dieser Notsituation über mehrere Stunden hinweg Ärzten und Krankenschwestern ausgeliefert, denen die unerwartete, schwere Komplikation vermutlich große Angst bereitet und eine enorme Verantwortung aufgebürdet hat. Leider wurde in dieser unglücklichen Situation sehr unwirsch und wenig einfühlsam mit der Mutter umgegangen. Der unfreundliche Umgangston setzte sich später fort, als Frau L. sich nicht in der Lage sah, Paul zu stillen und es nur schwer ertrug, ihn in ihrem Zimmer bei sich zu haben. Die Erinnerung an diese schlimmen Wochen lastet schwer auf der Mutter.

 

Im Einzeltermin mit Frau L. bearbeiten wir zunächst dieses Geburtstrauma. Im Myostatik-Test zeigt sich, dass die Mutter noch heute mit Schuldgefühlen ihrem Sohn gegenüber belastet ist, die in so vielfältiger Weise zwischen ihr und dem Kind stehen, dass beide sich nicht genießen können.

 

Ich bitte Frau L., sich an den schlimmsten Moment des Geschehens im Krankenhaus zu erinnern und mir zu sagen, was sie angesichts der damaligen Vorgänge heute über sich denkt. Frau L. beschreibt den Moment als den schrecklichsten, als der Blutgerinnungstest einen deutlichen Hinweis auf das Versagen mehrere mütterlicher Organe gegeben hat. Von diesem Moment an sei das Klinikpersonal völlig kopflos geworden und habe sich zum Teil gegenseitig angeschrien. Sie selbst habe sich wertlos und ausgeliefert erlebt.

Als blockierende Kognition nennt mir Frau L. die folgenden Sätze:

„Ich bin wertlos.“

„Ich habe die Kontrolle verloren.“

„Ich kann mein Kind nicht schützen.“

„Ich verdiene den Tod.“

 

Auf die Frage „Was würden Sie lieber über sich denken können?“ antwortet Frau L.:

 

„Es ist vorbei.“

„Ich bin gut genug.“

 

Sowohl die negativen als auch die positive Kognition zeigen sich im Myostatiktest schwach, d.h. sie bereiten Frau L. Stress. Bei den zugehörigen Emotionen erweisen sich Panik und Hilflosigkeit im Test als schwach, d.h. diese Emotionen bereiten Frau L. noch heute Stress, wenn sie an die damalige Situation zurückdenkt. Frau L. stuft die Stärke der Panik auf der Skala mit dem Maximalwert von -10 ein. Als Körperecho auf diese Emotion nennt sie ein schmerzhaftes Ziehen im Unterbauch sowie Atemnot.

 

Im EMBRAIN-Prozess beginnen wir mit der Bearbeitung der Panik als stärkster Emotion. Nach dem ersten Wink-Set spürt Frau L. kaum noch Atemprobleme. Ihre Mikroexpressionen im Gesicht zeigen nun Trauer. Wenig später fängt Frau L. an zu weinen. Wir testen und ihre Finger öffnen sich bei Trauer. Panik und Hilflosigkeit testen wir bereits stark, das heißt diese Emotionen bereiten Frau L. nun keinen Stress mehr. Wir fahren mit dem Winken fort und im Gesicht von Frau L. zeigt sich nun Wut. „Ich bin eine gute Mutter, auch wenn diese Geburt eine Katastrophe war!“, entfährt es ihr. Das Ziehen im Bauch ist verschwunden. Stattdessen spürt Frau L. nun einen unangenehmen Druck im Stirnbereich. Wir testen die Emotion Schuld. Mit dem 3. Set ist auch diese Emotion integriert und der Druck auf der Stirn verschwunden. Nach dem Abschlusswinken testen alle Emotionen und Kognitionen fest und Frau L. lächelt mich an: „Es ist vorbei. Ich muss nach Hause, meinen Paul ganz fest drücken.“ Zwei Tage später erzählt sie mir am Telefon, dass sich das Verhältnis zwischen ihr und Paul völlig verändert hat und beide das Zusammensein sehr genießen.

 

Eine Woche später kommt Paul erneut zu mir. Mit Hilfe des Tests stellen wir fest, dass sich Panik und Hilflosigkeit der Mutter bei seiner Geburt damals auf Paul übertragen haben. Da Paul kein körperliches Echo zu diesen Emotionen benennen kann, testen wir das Körpergefühl mit dem Myostatiktest und finden die Bauchschmerzen, die Paul auch nahezu täglich in der Schule quälen. Nach der anschließenden EMBRAIN -Intervention testen alle Emotionen fest.

 

Schon wenige Tage später meldet mir Frau L. eine erstaunliche Veränderung bei ihrem Sohn. Paul bearbeitet seine Hausaufgaben nun zügiger als sonst und hat ein Gedicht für die Schule sehr konzentriert und in kürzester Zeit auswendig gelernt. Seine Lehrerin ist sehr zufrieden mit ihm, weil er den Unterricht kaum noch stört. Pauls Bauchschmerzen sind verschwunden. Dieser Zustand hält genau sechs Wochen an. Danach stellen sich einige der ADHS-Symptome leider wieder ein und Paul kommt erneut zu uns.

 

Seine Unruhe ist nicht zu Übersehen. Diesmal teste ich die Emotion Wut. Ich frage Paul, ob er wissen möchte, woher die Wut kommt. Paul nickt. Der Test zeigt uns, dass sie in Pauls sechstem Lebensjahr im Kontext seiner Familie entstanden ist. Sie hat mit seinem Vater zu tun. Paul kann diese Daten sofort selbst einordnen: Zu dieser Zeit hat sein Vater die Familie verlassen und mit einer anderen Frau eine neue Familie gegründet. Seitdem ist die Beziehung zum Vater nicht mehr so, wie sie einmal war. Paul mag mit ihm nicht mehr ausgelassen herumbalgen und sein Vater kümmert sich bei Pauls Besuchen mehr um das neue Baby als um Paul. Als negative Ich-Kognition zu diesem Sachverhalt benennt der Junge zu Beginn der Intervention den Satz „Ich bin unwichtig“ (So denkt Paul zur Zeit über sich.). Als positive Kognition nennt er mir „Ich bin in Ordnung, so wie ich bin“ (Das würde Paul lieber über sich denken können.)  Während der EMBRAIN -Sets zeigen sich bei Paul auch noch Trauer und Hilflosigkeit, bevor schließlich alle Emotionen fest testen. Während der anschließenden Wochen und Monate zeigt er kaum noch Unruhe oder Konzentrationsprobleme. Ein halbes Jahr später testen wir ihn auf Hochbegabung. Paul erreicht einen Gesamt-IQ-Wert von 138.

 

 

Hinweis zur Testung von Intelligenz bei sog. „ADHS“:

 

Im Eulenhaus testen wir Kinder mit schweren „ADHS“-Symptomen auch bei Verdacht auf Hochbegabung nicht bzw. nicht sofort. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Kinder sich nicht ausreichend  bzw. nicht lange genug konzentrieren können, um in einem Intelligenztest zu zeigen, was in ihnen steckt. Wir müssten ihnen (und ihren Eltern) am Ende der Testung also sagen, dass sie möglicherweise ein Ergebnis im Bereich der Hochbegabung erzielt hätten, wenn es um ihre Konzentrationsfähigkeit besser bestellt gewesen wäre. Ein solches Testergebnis, das also eher Konzentrationsmangel als Intelligenz misst, nützt niemandem. Die Testung kann in solchen Fällen dem Kind sogar erheblich schaden, denn wir führen ihm sein Unvermögen in Bezug auf die Konzentration vor Augen und demütigen es damit möglicherweise. Wir versuchen daher – unabhängig von der Begabungsfrage – zunächst die Ursachen für die Konzentrationsprobleme zu finden und zu bearbeiten. Erst wenn sich eine deutliche Besserung der Symptome zeigt, testen wir.

 

Hinweis zum Thema Geburtstrauma:

 

Die Geschehnisse während einer Geburt treffen bei der Mutter in der Regel auf eine psychische Phase äußerster Sensibilität und Vulnerabilität. Sie sind daher in besonderem Maße geeignet, Mutter und Kind zu traumatisieren (insbesondere, wenn bei beiden oder einem der Beteiligten eine Hochbegabung vorliegt). Unvorhersehbare, lebensbedrohende Komplikationen und die entsprechenden Reaktionen des Klinikpersonals führen nicht selten dazu, dass die Mutter in eine passive Geburtssituation gerät, in der sie sich zusammen mit dem Kind den Fähigkeiten und Handlungen der Ärzte vollständig ausgeliefert fühlt. In dieser Lage können sich die betroffenen Frauen und Mütter oft nur noch als unfähig und nutzlos wahrnehmen. Einige von ihnen entwickeln das Gefühl, ihr Kind nicht schützen zu können und folglich eine schlechte Mutter zu sein. Kommt es in der Folge solche Abläufe zu einer Ablehnung des Kindes durch die Mutter, so sollten beide in einer auf diese Problematik spezialisierten Fachklinik weiter behandelt werden. In der Regel lässt sich eine gute Beziehung zwischen Mutter und Kind durch Trauma-Interventionen innerhalb kurzer Zeit wieder herstellen.

 

Geburtstraumata und eine anschließende Ablehnung des Kindes sind keine seltene Erscheinung. Sie kommen auch in der Tierwelt vor, wie der mongolische Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel“[1] der beiden Filmemacher Byambasuren Davaa und Luigi Falorni eindrucksvoll schildert. Darin verstößt eine Kamelmutter nach langer und für sie sehr schmerzhafter Geburt ihr Fohlen, das auf diese Weise dem Tod geweiht zu sein scheint. Ein Musiker bringt die Mutter schließlich mit den Klängen seiner Geige zum Weinen und löst auf diese Weise die traumatische Blockade auf: Das Fohlen darf sich der Mutter nähern und seine Milch trinken. Es erfährt die ihm zustehende Liebe und Geborgenheit.

 


[1] Deutscher Dokumentarfilm, München 2003. Buch und Regie: Byambasuren Davaa  (Regisseurin, Mongolei)  und Luigi Falorni (Regisseur und Kameramann, Italien).   http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Geschichte_vom_weinenden_Kamel

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Lukas, 14 Jahre

Hochbegabter "Underachiever" mit Prüfungsangst?

Lukas M., 14 Jahre alt, ist hochbegabt und besucht die 8. Klasse eines Gymnasiums. Aufgrund schlechter Noten in fast allen Fächern hat Lukas die 8. Klasse bereits einmal wiederholt. Im April suchen seine Eltern meine Beratung auf, weil Lukas nach den ersten Klassenarbeiten des zweiten Schulhalbjahres wiederum in vier Fächern auf Fünf steht. Wenn er erneut sitzen bleibt, muss er die Schule verlassen – so die Auskunft des Klassenlehrers. In der Schule ist Lukas Hochbegabung bekannt. Er wird von seinen Lehrern mit Bedauern und großer Ratlosigkeit als hochbegabter „Underachiever“ geführt. Seine ebenfalls hochbegabte Schwester hat dieselbe Schule ohne Probleme bis zum Abitur durchlaufen. Das Kollegium empfiehlt den Eltern, Lukas auf ein Internat zu geben, damit er „sich dort fangen“ kann.

Im Erstgespräch erläutere ich den Eltern, dass ich nichts davon halte, ein Kind als „scheinbare“ Lösung auf ein Internat zu schicken, wenn ich sein Problem gar nicht kennen. Ich schlage vor, dass wir uns gemeinsam mit Hilfe der EMBRAIN-Methode auf die Suche nach der Ursache für Lukas Problem machen. Anschließend kann die Familie immer noch über ein Internat nachdenken. Beide Elternteile stimmen meinem Vorschlag erleichtert zu. Insbesondere Lukas Mutter kann sich überhaupt nicht vorstellen, ihr Kind in dieser Situation auf ein Internat „abzuschieben“, wie sie es nennt.

Eine Woche nach dem Erstkontakt mit den Eltern führe ich ein weiteres Gespräch allein mit der Mutter, in dem ich sie nach dem Verlauf der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten drei Lebensjahre und eventuellen Besonderheiten frage. Es ergeben sich keine Hinweise für meine Arbeit mit Lukas. Auch hat es in der Familie in den letzten Jahren und Monaten keine ernsthaften Krankheiten, Todesfällen, finanziellen Sorgen, eine Trennung der Eltern oder Ähnliches gegeben.

Frau M. beschreibt ihren Sohn als unmotiviert, lernfaul und die Schule insgesamt ablehnend. Sie stellt aber auch fest, dass Lukas in letzter Zeit sehr oft traurig und deprimiert wirkt und sich mehr und mehr zurückzieht. Frau M. ist besorgt, weil sie nicht das Gefühl hat, dass Lukas Probleme allein pubertätsbedingt sind. Insbesondere sein fehlendes Interesse am Kontakt zu Gleichaltrigen beunruhigt sie. Lukas ist in seiner Klasse zwar beliebt, aber er schlägt Einladungen von Mitschülern regelmäßig aus.

Ich erkläre der Mutter, welche Möglichkeiten der Intervention ich sehe und erläutere ihr insbesondere die Einzelheiten der wingwave-Methode. Wir vereinbaren einen Termin, an dem ich mit Lukas sprechen werde.

Lukas kommt in meine Beratung und ist sehr angespannt. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er große Angst vor den Klassenarbeiten hat, weil er beim Schreiben regelmäßig gedanklich vom Thema abschweift und sich mit interessanten Überlegungen dazu verzettelt. Am Ende gerät er jedes Mal in Zeitdruck und gibt schließlich eine Klassenarbeit ab, die lediglich aus wenigen schriftlichen Ausführungen besteht. Da er weiß, dass er sich jetzt keine Fünf mehr leisten kann, ist seine Angst vor den Arbeiten so sehr gewachsen, dass er bereits einige Male auch eine Art „Black Out“ hatte und gar nichts mehr zu Papier bringen konnte.

Mit dem Myostatik-Test stelle ich fest, dass Lukas im Zusammenhang mit seinem Thema auf die Sätze „Es ist Angst“ und „Es ist Ohnmacht“ schwach testet, das heißt, diese Emotionen bereiten ihm Stress und sind zu bearbeiten. Ein weiterer Test ergibt, dass wir mit der Intervention zur Angst beginnen sollten. Auf einer Bewertungs-Skala von -10 bis +10 stuft Lukas sein Gefühl der Angst bei -9 ein und erklärt, die Angst fülle ihn nahezu gänzlich aus.

Ich bitte Lukas, in seinem Körper nachzuspüren, wo genau sich die empfundene Angst körperlich bemerkbar macht. Lukas zeigt auf seinen Hals und erklärt, die Angst sitze ihm wie ein Kloß in der Kehle und behindere seinen Atem.

Wir beginnen mit der wingwave-Intervention. Während Lukas sich auf seine Angst und das dazugehörige Körpergefühl konzentriert, winke ich mit meiner Hand in schnellem Takt vor seinen Augen. Nach zwei Winksets gibt Lukas an, die Angst habe sich abgeschwächt und sei vom Hals in den unteren Brustbereich gerutscht. Nach zwei weiteren Sets kann Lukas seine Angst nur noch als kleinen Rest im Bauchbereich spüren. Er gibt auf der Skala nun einen Wert von -1 an. Sein Gesicht ist jetzt völlig entspannt, seine Atmung tief und regelmäßig. Lukas möchte es in dieser Sitzung bei dem kleinen Restgefühl von Angst im Bauch belassen, weil er es nicht normal findet, gar keine Angst vor Klassenarbeiten zu haben. Ich gebe ihm für die nächsten Tage eine wingwave-Musik-CD mit, die er über Kopfhörer hören kann, wann immer er Lust dazu hat.

In der Folgewoche schreibt Lukas zwei Klassenarbeiten. Seine Mutter gibt mir telefonisch die Rückmeldung, dass es Lukas dabei sehr gut gegangen sei.

14 Tage später sehe ich Lukas wieder. Zum Thema Angst reagiert er beim Myostatiktest nun stark, d.h. wir haben die Angst erfolgreich „bewunken“. Beim Thema Ohnmacht dagegen zeigt Lukas noch eine Schwäche, die er auf Nachfrage hin gern bearbeiten möchte. Lukas kann in Worten nicht angeben, worauf sich seine empfundene Ohnmacht bezieht. Auf der Bewertungsskala gibt er sie mit -7 an. Im Körper spürt er sie in seinen Händen, die er als schmerzhaft verkrampft beschreibt.

Ich schlage ihm vor, diesmal nicht zu winken, sondern den wingwave- Prozess mit taktilen Reizen einzuleiten. Lukas willigt ein und bekommt in seine Hände jeweils kleine rechteckige Pads, die abwechselnd vibrieren, während er sie festhält.

Lukas konzentriert sich auf das Gefühl der Ohnmacht und das schmerzhafte Echo dieser Emotion in seinen Händen. Ich schalte das taktile Gerät ein. Nach kurzer Zeit gibt Lukas mir das verabredete STOP- Zeichen. Er hat Tränen in den Augen und weiß nun, woher das Gefühl der Ohnmacht stammt: In der 3. Klasse seiner Grundschule wurde er von Mitschülern wegen seiner guten Noten massiv gemobbt. Die Kinder hatten damals zum ersten Mal ein Zeugnis mit Ziffern-Noten bekommen und Lukas hatte in allen Fächern eine Eins. Außerdem hatte seine Lehrerin mehrfach seine besonders schöne Schrift gelobt, was ihm sehr peinlich war. Einige Mitschüler hatten ihn daraufhin gehänselt und auf dem Schulhof „Streber“ und „Schönschreiber“ hinter ihm hergerufen. Sein bester Freund wandte sich in der Folgezeit von ihm ab und schloss sich einem anderen Jungen an. Lukas hatte sich damals absolut hilflos und ohnmächtig gefühlt. Er bringt das Erlebte heute auf den Punkt: „Wenn ich in der Schule gut bin, dann verliere ich meine Freunde.“

Ich bitte Lukas, als Spiegelbild auf diese negative Kognition eine positive Ich-Kognition zu finden. Mit großer Mühe spricht Lukas aus: „Ich darf gute Noten haben.“ Er stuft diesen Satz als sehr unglaubwürdig ein.

Wir setzen den wingwave–Prozess fort. Bereits nach dem nächsten Vibrations-Set hat der Schmerz in Lukas Händen deutlich nachgelassen. Nach einem weiteren Set kann er das Gefühl der Ohnmacht nicht mehr lokalisieren. Seine Hände sind warm und locker. Dafür verspürt er nun große Trauer darüber, damals seinen Freund verloren zu haben. Das Gefühl der Trauer lässt sich als starker Druck im Brustbereich lokalisieren.

Wir fahren mit der wingwave-Intervention fort. Lukas konzentriert sich nun auf seine Trauer über den Verlust seines Freundes. Nach dem zweiten Set spürt er sie abgeschwächt im Bauch. Nach dem dritten Set ist sie kaum noch zu spüren und schließlich ganz verschwunden.

Ich frage Lukas, wie glaubwürdig ihm der Satz „Ich darf gute Noten haben“ nun erscheint. Lukas findet diese Aussage jetzt sehr aufregend und interessant.

Mit langsamen Winkbewegungen vor Lukas Augen, „webe“ ich diese positive „Ich-Kognition“ nun ein, während er sich auf den Satz „Ich darf gute Noten haben“ konzentriert. Lukas wird dabei ganz ruhig. Am Ende der Intervention strahlt er und sagt: „Das ist doch selbstverständlich. Na klar darf ich gute Noten haben! Wäre ja noch schöner ...“

Entspannt verlässt Lukas mich an diesem Abend. In den nächsten drei Wochen mobilisiert er seine ganze Kraft auf das aufholende Lernen. Er schreibt keine Klassenarbeit schlechter als Zwei und bekommt in der letzten Mathearbeit eine Eins. Seine Mutter berichtet mir am Telefon überglücklich, dass Lukas beschlossen hat, seinen Geburtstag zu feiern und dazu einige Klassenkameraden einzuladen. Beim Abschlussgespräch meckert er mir gegenüber völlig entspannt darüber, dass ihm die Musik auf der wingwave-CD inzwischen zum Hals heraus hängt. Dabei grinst er zufrieden. Am Ende des Schuljahres wird Lukas in die 9. Klasse versetzt. 

Eulenhaus für Hochbegabte

Praxis für EMBRAIN®-Coaching

 

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